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Thomastag



Thomastag in Nürnberg

14. -16.12.2012

Alle Jahre wieder...

...kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch die Studenten nach Nürnberg, und zwar aus allen Ecken des deutschsprachigen Raums sowie aus allen Lagern des Couleurstudententums, um den Thomastag zu feiern. Der Thomastag war, bis zur Einführung des Allgemeinen Römischen Kalenders im Jahre 1970, der 21. Dezember. Dann wurde er in den Juli verlegt, um den besinnlichen Charakter der letzten Adventswoche nicht zu stören. Immerhin war vor allem die Thomasnacht, also die Wintersonnenwende, mit Bräuchen und Aberglauben verbunden, die größtenteils nicht mit der stillen Zeit vereinbar schienen.

Auch der Thomastag der Studenten in Nürnberg ist alles andere als Still oder besinnlich. Um ihn ranken sich ganz eigene Legenden. So sollen vor vielen hundert Jahren, als Nürnberg noch eine frei Reichsstadt war, die Studenten von der Universität im nahe gelegenen Altdorf des Öfteren ihr Unwesen in der Stadt getrieben haben, bis es den Stadtvätern zuviel wurde und sie beschlossen, künftig allen Studenten den Zutritt zur Stadt zu verwehren. Die Tore Nürnbergs blieben also für diese fortan geschlossen, nur dem Druck der Kaufleute sei es zu verdanken, so die Legende, dass am Thomastagwochenende den Studios aus Altdorf der Zutritt erlaubt wurde, um Weihnachtseinkäufe zu erledigen.

Nun aber zurück ins Jahre 2012. Der diesjährige Thomastag sollte ein ganz besonderer werden. Nach langer Abwesenheit hatte sich eine Abordnung der FL! Markomannia angekündigt. Bei den Verantwortlichen des BDIC war man schon ganz gespannt, ob die Herren aus Karlsruhe denn wirklich den Weg zur Noris finden würden, war doch erst wenige Wochen vorher das Gerücht, Markomannia wolle den BDIC verlassen, bis in die BDIC-Geschäftsstelle nach München vorgedrungen.

Aber die Markomannen hielten Wort und kamen. Nachdem sie mich, ihren von EB Neptun organisierten "Reiseführer" begrüßt hatten, ging es dann vorbei an den weihnachtlichen Verkaufsbuden des schon 400 Jahre alten Christkindlesmarktes, von denen jede zweite entweder Glühwein oder Bratwürste zu verkaufen schien, hinein in den Mautkeller. Das dortige Restaurant "Barfüßer", in welchem der BDIC über Jahre hinweg seine Veranstaltungen zum Thomastag abhielt, schaffte eine ordentliche Grundlage für die Dinge, die der Abend noch bringen sollte.

Gut genährt ging es dann zur ersten offiziellen Veranstaltung. Dem Begrüßungsabend des BDIC auf dem Haus, oder besser Turm, der StV! Franko-Alemannia. Hier wurden wir bereits erwartet und während sich die Kellerbar langsam füllte, war reichlich Gelegenheit den vom Essen vollen Magen mit Hopfentee zu beruhigen.

Beeindruckend war die Mannstärke mit der einige BDIC-Bünde erschienen. Die T.St.V. Moeno-Ripuaria aus Schweinfurt hätte sicherlich einen eigenen Bus füllen können. Es waren gut und gern 20 Aktive und nicht weniger Alte Herren. Aber auch die B!TC Minerva aus München hatte, nach langen fuxenarmen Jahren, wieder eine beachtlichen Anzahl an Aktiven vorzuzeigen.

Doch der Thomastag ist nicht nur für Aktive! Auch Alte Herren kommen in Nürnberg auf ihre Kosten. Ein gutes Beispiel hierfür ist die B! Frisia Hamburg zu Lüneburg. Ihre hellblauen Mützen zieren seit Jahren nur bemooste Häupter. Dennoch lässt sich jedes Jahr eine stattliche Zahl Alter Herren, alle jenseits der 60, die Pilgerfahrt zur Noris nicht nehmen.

Zur späteren Stunde zogen die Markomannen mit ihrem "Reisebegleiter" dann noch auf den Turm der K.D.St.V Ostmark (CV) zur dort schon seit 30 Jahren üblichen traditionellen Spontankneipe. Wann immer am Begrüßungsfreitag genügend Kneipwütige zusammen kommen, wird kurzerhand ein Bierorgler bestimmt und die Commersbücher werden hervorgeholt. Eine herrliche Tradition.

Für viele, so auch für mich, war es ein Abend des Wiedersehens. Über die Jahre haben sich wahre Thomastagfreundschaften, auch über die Verbandsgrenzen hinweg, entwickelt. Die Freude ist oft überschwänglich, wenn plötzlich die Tür aufgeht und ein bekanntes Gesicht erscheint. Rufe wie "Jösas ist das nicht Siegfried von der Welfia aus Klosterneuburg?", oder "Servus Stisch, hamms dich auch rein g'lassen!" sind zu vernehmen.

Und so sah der Freitagabend noch die ein oder andere herzliche Umarmung, es wurde angestoßen und jeder musste berichten wie es ihm seit dem letzten Jahr ergangen war.

Der Samstag diente, und auch das ist Thomastagsveteranen nichts Neues, vornehmlich der körperlichen Wiederherstellung. Erst am Nachmittag sah man wieder die ersten farbigen Mützen in Nürnbergs Strassen, Plätzen und auch Geschäften (schließlich ist der Thomastag ja wegen der Weihnachtseinkäufe entstanden).

Nachdem die letzten Käufe erledigt waren, hieß es bereits die nötigen Vorbereitungen für den anstehenden Festkommers zu treffen. Also abermals ins Wirtshaus, um die Grundlage für alles Weitere zu schaffen und dann in die U-Bahn Richtung Langwasser um zum BDIC-Kommers zu gelangen. Dieser wurde, wie bereits im letzten Jahr, im schönen Genossenschaftssaal geschlagen. Etwa 300 Farbenträger hatten sich dort versammelt und eine besondere Freude für alle Anwesenden war die stattliche Zahl an Füxen, die der BDIC am rechten Zapfen versammeln konnte.

Auch hier war das Hallo groß, wenn sich alte Bekannte wieder trafen und es wurde reichlich diskutiert und philosophiert.

Nach dem Thomastagkommers (oder besser gesagt den Kommersen, den mehrere Verbände wie CV, BDIC oder auch der Schwarzburgbund haben ihre eigenen Veranstaltungen), geht es dann noch einmal auf die verschiedenen Häuser. Und wieder wurde bis zum frühen Morgen zusammen gelacht und getrunken.

Der Sonntag bildete dann den Abschluss mit einer - wie alljährlich - vom CV organisierten Heiligen Messe. Diese wird auch gern von dem ein oder anderen BDICer besucht. Danach bleibt noch Zeit für ein Mittagessen in einer der vielen urigen Wirtschaften Nürnbergs sowie den Thomasbummel, bei dem die Couleurstudenten den oft recht verdutzten Bürgen Nürnbergs ihre Mannstärke zeigen. Dieses Jahr wurde der Zug von den Chargen des Schwarzburgbundes angeführte. Und so kam es, dass ganz vorne auch ein Grüppchen farbentragende Damen zu sehen war.

Alsbald löste sich die Formation auf und man sah die üblichen Abschiedszenen. Hände wurden geschüttelt, Mützen geschwenkt und Verabredungen für das nächste Jahr getroffen.



So ging wiedermal ein viel zu kurzes Wochenende in Nürnberg vorüber und so mancher gedachte der letzten Strophe des Thomastagsliedes: "...uns mag der Herre geben noch manchen Thomastag, noch manchen Thomastag".

Alexander Gottwald v. HEINZ (AlgA, Va)