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Frankreich-Ausflug


Gelebte Verbindung
Drei alte Herren brechen aus

Juni 2013

Prolog

Das soll nun ein Beitrag aus der Reihe „Gelebte Verbindung“ werden, eine Reihe, die es noch gar nicht gibt, aber vielleicht geben sollte. Somit ist das hier zunächst nur eine Anregung. Immer dann, wenn BBs gemeinsam, aber auf privater Basis, also nicht im Rahmen offizieller Veranstaltungen der Verbindung, etwas miteinander unternommen haben, wenn man darüber einen unterhaltsamen oder einen interessanten Beitrag verfassen kann, könnten die Beteiligten das tun und den Bericht in den Medien der Verbindung veröffentlichen. Was kann, was soll das bewirken? Es sollte unterhaltend sein für BBs, aber auch für Interessenten an der Markomannia und es würde zeigen, dass der Begriff „Freundschaft“ in unserer Devise wirklich gelebt wird.

Ein Beispiel dazu Haben wir, BB Caesar und BB Pott, verfasst.

Mit bundesbrüderlichem Grüßen
Hans Kusenberg v. Pott und Wolfgang Jantzer v. Caesar



Drei alte Herren brechen aus

Nun muss man zunächst klären, wo waren sie eingesperrt diese alten Knaben, wo sind sie ausgebrochen? Um wen handelt es sich überhaupt? Aber der Reihe nach. Also, um es gleich zu sagen, sie sind nun alle wieder dort, von wo sie ausgebrochen waren. Es geht ihnen gut, sie sind in der Obhut ihrer lieben Ehefrauen/Partnerinnen und das ist gut so.

Ziel des Ausbruchsversuchs war die Bretagne. Aha, das muss etwas mit unserem geschätzten Bundesbruder Frosch zu tun haben. Na klar. Wen aber hat er angestiftet, ihn auf dieser Flucht zu begleiten, wer waren seine Spießgesellen? Es waren die BBs Pott und Caesar, eine saubere Gesellschaft. Das Durchschnittsalter dieser drei alten Knaben beträgt tatsächlich nicht weniger als gut 76 Jahre. Alter schützt vor Torheit nicht, könnte man sagen.

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Klar, das mit dem Ausbruch sollte man vielleicht doch nicht so wörtlich nehmen. Es waren schließlich keine Gewalttätigkeiten oder Heimlichkeiten damit verbunden. Dann war es wohl doch mehr eine Reise. Ja, das war es. Aber es war auch eine Trennung auf Zeit, es war ein gutes Stück anderes Leben, als das gewohnte und für unsere alten Knaben ein Stück Freiheit, die man in dieser Form Daheim nicht ohne weiteres hat, vor allem nicht im Rentenalter. Ein Ausbruch aus dem täglichen Einerlei. Aber, wie gesagt, sie sind wieder Daheim und sie fühlen sich dort sehr wohl, aber sie sind um eine Erfahrung reicher, um eine sehr schöne Erfahrung. Es hat sich gelohnt.

Zum Reiseverlauf ist anzumerken, dass er schon sehr zeitaufwendig war. BB Pott ist aus dem fernen Österreich nach Altglashütten aufgebrochen, das verbraucht einen ganzen Tag. Für BB Cäsar war der Aufwand nur wenig geringer. Am Abend jedenfalls waren alle drei in Altglashütten beieinander und haben bei BB Frosch genächtigt. Kleiner Abschweif am Rande. Altglashütten. Was wurde dort früher im Kreis der Markomannen nicht alles angestellt. Eine schöne Zeit, schöne Erinnerungen.

Zeitig in der Früh, wir reden vom 18.06.2013, sind die Knaben zu ihrer langen Fahrt aufgebrochen. BB Frosch ist mit seinem Auto gefahren, dem praktischen Camper, dessen Vorzüge man nicht genug schätzen kann. Die Fahrt verlief problemlos, gegen Abend waren sie nach mehreren Fahrerwechseln an Ort und Stelle, dem reizvollen Haus unseres BB Frosch in der Bretagne, in Pleuven.

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Nun muss man kurz auf einen Einwand eingehen, den man aus dem Mund einiger älterer und kenntnisreicher BBs zu dieser Reise vernehmen konnte. Der Frosch wird einen Haufen Arbeit am Haus zu erledigen haben. Klar, da ist ihm jede Hilfe willkommen. Das könnte der eigentliche Zweck dieser Reise sein, wurde vermutet. Wie man weis, steckt in Gerüchten oft auch ein mehr oder weniger großer (oder kleiner) Anteil an Wahrheit. Aber was war wirklich dran, an dieser Unterstellung?

Ja, vor der Abfahrt der Gruppe, ist beim Beladen des Autos mit dem Reisegepäck schon aufgefallen, dass sich eine Kreissäge, Bretter und andere Utensilien im Auto befanden. Das Gepäck hat gerade noch Platz gefunden. Also doch ein Arbeitseinsatz? Ja, schon, aber nur in ganz geringem Umfang. Es war auch kein Geheimnis. BB Frosch hatte seine mitreisenden BBs darüber informiert. Gegangen ist es darum, dass am Haus neue Dachflächen-Fenster von einer örtlichen Fachfirma eingebaut worden waren. Die raumseitigen Verkleidungen dieser Fenster mussten noch ausgeführt werden. Eine Arbeit, die BB Frosch leicht und gerne selbst erledigen kann. Eine dritte Hand ist bei derartigen Arbeiten willkommen. Er hätte es aber auch alleine bewerkstelligt. Keine Frage. Bei der perfekten Vorbereitung dieses Werkes waren es dann auch nur zwei Aktionen von knapp drei Stunden und die Sache war perfekt erledigt. Also, kein nennenswerter Arbeitseinsatz.

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Der Zweck der Reise war ein anderer, ein schöner, erlebnisreicher und gehaltvoller, gemeinsamer Aufenthalt in der Bretagne.

Das Tagesprogramm war von eintöniger Ordnung. Langweilig, könnte man denken. Stimmt aber nicht. Es war perfekt eingeteilt und begann natürlich mit einem reichhaltigen Frühstück. BB Cäsar hatte vorher meist schon einen Ausflug in die nähere Umgebung gemacht und dabei die frischen Backwaren zum Frühstück eingekauft. Nach dem Frühstück wurde gemeinsam „Klar Schiff“ gemacht und das Auto beladen. Wozu das? Nun, für die Tagesausflüge mussten feste und flüssige Lebensmittel an Bord verstaut werden, die dann bei einem Casse croute, ein Bretonischer Begriff für Brotzeit, Vesper oder Ähnliches, zur Mittagszeit im Auto, kalt natürlich, konsumiert wurden. Was kam dabei auf den Tisch? Es waren köstliche Dinge. Dazu das unvermeidliche Glas Wein, keine Frage. Dabei zeigte es sich, dass das Auto von BB Frosch über Vorzüge verfügt, die man nicht hoch genug loben kann. Eine perfekte Küche und Esszimmer in einem. Im Freien war es meist nicht sonderlich angenehm, da sehr oft ein frischer, atlantischer Wind wehte, typisches bretonisches Wetter. Ein angenehmes Wetter, wenn man nicht unbedingt in der Sonne braten möchte. Das Auto hat der Gruppe Schutz geboten.

Vor dem Casse croute wurden täglich ausgedehnte Wanderungen an den schönen Sandstränden gemacht. Zum Teil mit bloßen Füssen im Wasser laufend, laut BB Frosch wegen der gesundheitsfördernden Wirkung. An Sandstränden, die zum Wandern einladen, gibt es in dem dortigen Departement (Finistere) die Fülle. Die Römer glaubten, dass es das Ende der Welt sei. BB Caesar hat es sich nicht nehmen lassen, ein paarmal in den frischen Atlantik hinaus zu schwimmen und das bei ca. 17 °C Wassertemperatur. Für den Rest der Mannschaft eine Heldentat, brrrr!

Die Nachmittage, nach dem Casse croute, waren der Kultur und besonderen Sehenswürdigkeiten gewidmet. Das waren kleine, mittelalterliche Dorfkirchen, mit interessanten Calvairen. Dazu kamen viele besonders reizvolle Orte der Umgebung.

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Davon gibt es dort eine reiche Auswahl. Zu nennen ist hier an erster Stelle Pont Aven, ein Ort der Maler wie Paul Gaugin und andere Größen der Malerei angezogen hat. Ein Juwel, ohne Frage. Weitere Orte, die besucht wurden, waren Locronan, Crozon, Iletudy, Benodet, Fouesnant. Interessante Punkte an der Küste waren Pto des Espagnols, mit Blick auf Brest, Cap Coz, Pont-L Abbe. Ein absoluter Höhepunkt war natürlich Quimper mit seiner schönen gotischen Kathedrale und anderen Sehenswürdigkeiten.

Auf den Heimwegen wurde eingekauft. Es gab dazu einen Einkaufszettel, der am Abend vorher oder beim Frühstück gewissenhaft und nach sorgfältiger, gemeinsamer Beratung zusammengestellt worden war. BB Frosch war als Gastgeber, aber vor allem auch als Kenner der bretonischen Küche und schließlich auch als Chefkoch, uneingeschränkte Führungsperson. Die beiden anderen BBs haben das so akzeptiert und gekuscht. Gleichzeitig haben sich alle schon auf die kulinarischen Ergebnisse gefreut, die immer von höchster Qualität waren. Ja, so ist das in der Gruppe, einer muss das Sagen haben, dann funktioniert es. Einkaufen in den französischen Supermärkten ist nebenbei gesagt ein Hochgenuss.

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Bei Ankunft im Haus war ein kurzes Entspannen und Ausruhen angesagt, jedoch nicht bevor jeder seinen Pastis als Aperitif zu sich genommen hatte. Dann aber begann bald der Küchendienst. Hier hatte jeder seine Aufgabe. Unter Leitung des Küchenchefs wurden die Vorbereitungen getroffen und schließlich das Essen bereitet. Was soll man dazu sagen? Es war immer alles vom Feinsten, abwechslungsreich, fast ein Luxus. Um das zu unterstreichen sei angefügt, dass die Gruppe immer nur Daheim zu Abend gegessen hat. Es gab nicht einen Restaurantbesuch, warum auch, wo hätte es schon ein besseres Essen geben können. Getrunken wurde natürlich auch etwas, aber nie zu viel, auch das ist erwähnenswert. Nach dem Essen wurde aufgeräumt. Dabei hatte wieder jeder seine Aufgabe. Wenn alles wieder seine Ordnung hatte waren etwa drei Stunden vergangen. Zum Abschluss der Abende wurde „gekniffelt“, eine unvermeidbare Angelegenheit in diesem Haus. Ein Ritual. Danach hat das Ruhebedürfnis sein Recht gefordert.

Vom Frühstück bis zum Schlafengehen wurden natürlich viele Gespräche geführt, es gab kaum Pausen. Das Niveau dieser Gespräche war sehr breit angelegt. Es wurde alles rauf und runter diskutiert, wobei schon eine gewisse Zurückhaltung beachtet worden ist. Kenner wissen, dass die drei Helden dieser Geschichte alles andere, als gleichgeschaltete Charaktere sind. Trotz dem hat es nie ein böses Wort gegeben. Es war einfach nur harmonisch und sehr schön.

Die Heimfahrt, am 28.06.2013, verlief problemlos. Die Reste der feinen Lebensmittel waren an Bord. So war bei mehreren Stopps auf dem Heimweg für das leibliche Wohl gesorgt.

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Es muss noch angefügt werden, dass die Ehefrauen/Partnerinnen diese Tage ebenfalls sehr genossen haben.


Epilog

Ein Erlebnis der besonderen Art hatte BB Caesar auf seiner Heimfahrt mit dem Fernbus. Der Bus hatte gerade erst Freiburg verlassen, als er durch ein ziviles Polizeifahrzeug von der Autobahn herunter geholt wurde. Auf einer Feuerwache im Norden Freiburgs erfolgte eine Durchsuchung von Bus, Fahrgästen und Gepäck nach „Betäubungsmitteln“.

In drei Gruppen aufgeteilt, wurden die Fahrgäste von einem Dutzend Beamten auf Drogen überprüft. Nachdem die Gruppe mit BB Caesar bereit überprüft war, ging der Drogenhund mit seinem Führer noch einmal durch die Reihe und zeigte an BB Caesars Rucksack jetzt eine deutliche Reaktion. (BB Caesar dachte, ihn trifft ein Schlag). Nun war eine 20-minütige Einzelüberprüfung von BB Caesar und seinem Gepäck fällig.

Zum Glück wurde nichts gefunden und BB Caesar kehrte zu den wartenden Mitreisenden im Bus zurück. Da er ungefähr 3mal so alt wie der Durchschnitt war, kann man sich ausmalen, was die jungen Leute von diesem “AltenSack“ so gedacht haben. BB Caesar hat dann nur den Busfahrer und seinen Nebensitzer von dem negativen Ergebnis informiert und wurde von niemand sonst dazu angesprochen. Eine gewisse Distanz zu ihm war jedoch deutlich spürbar. Mit ca. 90 Minuten Verspätung wurde er dann in Würzburg von seiner besseren Hälfte dankbar in Empfang genommen.

         
  Mit bundesbrüderlichen Grüßen
Hans Kusenberg v. Pott